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Ich hatte sie schon einen Tag nach der Geburt besucht, die VOLLSCHWESTER vom Billy (exakt 2 Jahre später geboren, gleiche Eltern). Die Neugierde trieb mich natürlich wieder zu dem nachbarschaftlichen Pensionsstall, wo „Miss Little Lisa“ im April 1997 geboren wurde. Auch sie war ein süßes Fohlen, fuchsfarben mit einigen kleinen weißen kleinen Flecken am Bauch. Ich mag aber keine Füchse…. ;-). So interessierte sie mich auch relativ wenig.
Nach ihrem Umzug in den heimatlichen Stall fuhr ich immer in 400 m Entfernung an der Wiese vorbei und sah sie dort von weitem mit ihrer Mutter stehen… auch leider ohne Fohlengesellschaft – genau wie beim Billy zuvor. Aber da ich immer noch keine Füchse mochte, interessierte sie mich immer noch nicht. Das ging so ca. 10 Monate so.
Bis ich dann zufällig doch mal ganz nah an der Wiese vorbeifuhr……. Boah war die Kleine schöööööööön. Und das, obwohl ich doch gar keine Füchse mag. Ihre kleinen weißen Flecken am Bauch sind zu Riesenflecken mutiert, die Mähne und der Schweif etwas heller als das fuchsfarbene Fell. Ein BILD von Pferd……. HABENWILL. Wie ich inzwischen hörte, waren beide Pferde (Mutter und Tochter) nun zu verkaufen.
Auf dem 3-minütigem Weg bis nach Hause war der absolut unumgängliche Entschluß gefasst, dass ich dringendst und zwar sofort ein Nachwuchspferd für Duffy bräuchte (was absoluter Blödsinn war, aber man lässt sich die dümmsten Erklärungen einfallen, wenn man sich was in den Kopf gesetzt hat). Zuhause angekommen stellte ich diese Idee meinem Mann vor, der ebensolche sofort mit einem NEIN einen Riegel vorschob. Dieses NEIN war aber nicht so ein endgültiges NEIN sondern eher eins, wo wenn man lang genug quengelt, man doch das bekommt, was man will. Und so entschlossen wir uns, NUR GUCKEN zu fahren, nur ganz kurz… ;-) ;-) ;-).
Nun denn, dieses GUCKEN stellte sich zu meiner Zufriedenheit dar, nach 5 Minuten waren die Bedenken meines Mannes von der jungen Stute, die übrigens Miss Little Lisa, kurz: Missy, hieß, weggeschmust worden und wir verhandelten über die Konditionen.
Da das Fohlen inzwischen 11 Monate und noch nicht „abgesetzt“ war, stellte sich das Abholen etwas schwieriger dar. Wir versuchten die gleiche Prozedur wie bei Billy, d. h. Duffy als Begleitpferd und Fohlen hinterhergeführt. Sie riss sich aber (verständlicherweise, da an ihrer zurückbleibenden Mutter hängend) 2 x los und rannte zurück zu ihr. Also musste die Mutter auch mit. So ging dann der kleine Pferdekonvoi Richtung Heimat: Duffy, von mir geritten, die Mutterstute Lisa, von meinem Mann geführt und das Fohlen, geführt vom (Noch-) Besitzer.
Diese Konstellation klappte hervorragend bis zu meinem Stall – bis auf die Ausnahme, dass mein armer Mann leidlich feststellen musste, dass es NICHT sinnvoll ist, direkt hinter einem Fohlen zu laufen. Es erschrak vor irgendwas, keilte aus, traf meinen Mann volle Suppe vor den Oberschenkel und dieser windete sich vor Schmerzen auf dem Boden…. na… DAS konnte ja noch heiter werden….. :-/
Zu Hause angekommen, wurde das Fohlen in eine Box mit Paddock gesperrt und diese mit Holzlatten und Strom verrammelt. Die Stute wurde nun wieder Richtung Heimat geführt und es dauerte keine 50 Meter, da krachte das Fohlen mit tiefgelegtem Kopf durch den Zaun Richtung Mutter. Ok, 2. Versuch. Fohlen wieder eingesperrt, Holz und Stromdraht davor, dann noch unzählige blaue Tonnen davor und ich – mit Peitsche bewaffnet – davor. So funktionierte das dann. Die Mutterstute verschwand, Miss Little Lisa machte ca. 10 Minuten lang einen schreienden Aufstand… dann hatte sie sich beruhigt und ich hatte den Eindruck, das Thema war erledigt. War es auch wirklich. Nach 1 – 2 Stunden konnte ich sie schon mit Duffy zusammenlassen, das klappte wunderbar. Duffy beendete sofort die Euter-Such-und-Trink-Versuche, die Missy ja immer noch drauf hatte, weil sie noch nicht abgesetzt war.
Auch Miss Little Lisa wurde spontan erstmal umgetauft, wir nannten sie Calamity Jane (kurz: Cally), nach einer Revolverheldin aus dem wilden Westen.
Nun stand sie da, lebte vergnügt mit Duffy und ihrem Bruder Billy und stand und stand und stand….. denn Duffy war zu dem Zeitpunkt noch voll einsetzbar und Billy auch gerade „in der Ausbildung“…. Kurz gesagt: Cally kam in allem zu kurz. Zu wenig Bodenarbeit, zu wenig Longenarbeit, zu wenig von allem.
Hinzu kam, dass sie charakterlich das Gegenteil von ihrem Bruder wurde. Nicht so eine coole Schlaftablette sondern eher das dominante Fluchttier… das heißt im Klartext: Dieses Pferd machte viel mehr Arbeit. Und das braucht Zeit. Und die hatte ich irgendwie nie wirklich.
So fing ich also erst mit ihr etwas an zu arbeiten, als sie ca. 4 Jahre alt war. Ich ritt sie genau so ein wie Billy, was auch hervorragend klappte, ich hatte sogar den Eindruck, sie würde es schneller verstehen als Billy. Nach ca. 5 x auf dem Platz reiten ritt ich mit Ralf und Billy als Begleitpferd aus. War alles kein Problem. Wir steigerten unsere gemütlichen Ausritte bis sie 5-jährig war bis auf ca. 3 Stunden (Well-Runde). Ich verabredete mich mit Freunden in der Leucht und fuhr alleine mit Cally dorthin. Klappte auch hervorragend. Ich habe selten ein so bequemes Pferd geritten, stieg jedes Mal freudestrahlend ab nach einem Ausritt. Wir hatten nie Probleme, auch Galopp in der Gruppe funktionierte, nie ist etwas „passiert“, dennoch hatte ich immer ein ungutes Gefühl auf diesem Pferd. Ich fühlte mich nicht hundertprozentig wohl. Ich habe immer sehr vorausschauend geritten, ZU vorausschauend. Es spulten sich Dinge in meinem Kopf ab, was alles passieren KÖNNTE auf diesem Pferd – immer vor dem Hintergrund zu wissen, wie wenig ich sie vorher gearbeitet hatte (auf dem Boden und Platz). Dieses Nachdenken trieb mich so weit, dass ich ( eigentlich immer schon eine sehr konsequente und mutige Reiterin) schon BILLY (!!!!) vor dem Reiten im Winter ablongierte…….???
Ich zog den Schlussstrich. DIESES Pferd machte aus mir eine „ängstliche“ Reiterin, auch im Umgang mit meinen anderen Pferden. Sie musste gehen. Ich entschloß mich zum Verkauf. Ich wollte diesem noch sehr jungen Pferd eine Chance geben, einen Menschen nur für sich alleine zu haben, etwas, dass ich ihr aufgrund Billy und Duffy nicht geben konnte. Ich heulte wochenlang mein Bett voll, weil ich selbst so traurig war, aber nun konnte mich niemand mehr aufhalten, einen neuen Menschen für Cally zu suchen.
Da ich sehr pingelig mit der Auswahl des entsprechenden neuen Besitzers war, dauerte es ca. ein dreiviertel Jahr und unzählige interessante Begegnungen mit Pferdemenschen später, bis ich meinte, DEN Besitzer fürs Leben für sie gefunden zu haben. Es war ein netter Holländer, mit netter Frau, der ein Nachwuchspferd für seinen älteren Wallach suchte. Er suchte ein Pferd zum gemütlichen Ausreiten – genau das richtige!
Der Verkauf ging schnell, denn auch er hatte sich in Cally verguckt und schon brachten wir sie in die Niederlande… Ich heulte noch ein bisschen beim Wegbringen, vor allem auf der Rückfahrt („Ich Verräter!!“) aber dann war gut. Ich hatte das Gefühl, dass ein RIESENStein von meinem Herzen gefallen war. Ich heulte seit diesem Tag nie wieder wegen ihr. Als ich nach Hause kam, hatte ich nicht das Gefühl, dass irgendwas fehlte, als ich zu meinen Ponys ging…. das bestätigte mich, das Richtige getan zu haben. Das war im August 2002.
Innerhalb von 14 Tagen wurde ich im Kopf wieder „normal“, was den Umgang mit Pferden betrifft. Die langsam eingeschlichene „Angst“ war wie weggeblasen.
Nach ca. einem Monat erhielt ich einen Anruf. Cally hätte sich jetzt ENDLICH eingelebt. Sie muß wohl 14 Tage ununterbrochen auf der Wiese auf und ab gerast sein, hätte kaum gefressen und am laufenden Band geschrieen…… *shock*. Zum Glück erzählten sie mir das, als das Thema gegessen war, ich hätte das nicht sehen wollen…. vermutlich hätte ich sie gleich wieder eingepackt.
Dann hörte ich erstmal lange Zeit nichts. Im Januar oder Februar (also nur 5 Monate nach dem Kauf) dann erhielt ich einen Anruf von ihm, ob ich Cally zurück haben möchte *shock* … Er hätte sich das einfacher vorgestellt, ein junges Pferd auszubilden/geländesicher zu machen. Er hätte einen kleinen Unfall (Cally war nicht Schuld) gehabt, nach diesem er erstmal 3 Wochen auf der Couch wegen geprellten Rippen verbringen musste…. ich sagte natürlich NEIN, ich kann dem Pferd auch kein vernünftiges Zuhause bieten, wollte aber bei der Suche nach einem neuen Besitzer helfen….
So zog sich die Zeit bis Juli 2003 und ich hörte nichts weiter. Plötzlich stand er bei mir zu Hause auf der Matte und sagte, er hätte jetzt die Lösung mit dem Pferd gefunden, Cally würde nie nie nie wieder verkauft werden, er hätte jetzt einen Weg gefunden sie auszubilden, und zwar nach Parelli. Er würde mit dem NL-Trainer PNH zusammenarbeiten und alles hörte sich so toll an. Und an DIESEM Tag erzählte er mir dann auch, was wohl damals (im Januar/Februar) passiert war ….
Auch wenn Ihr jetzt neugierig seid, schreibe ich das jetzt nicht hier rein. Mir bekannte Kurzversion: Cally wurde innerhalb eines Beritt-Monats in einem Westernstall so dermaßen psychisch und körperlich brutal zusammen gefaltet, dass sie (zum Glück nur kurze Zeit) unreitbar war (hat- zu Hause angekommen - nur noch jeden Reiter abgebuckelt etc.). In mühevoller Kleinarbeit und mit Fingerspitzengefühl und mit wirklich bei NULL wieder anfangen – so hat der Besitzer diese massiven Probleme mit Hilfe von PNH geradegezogen.
So lebten sie dann glücklich und zufrieden… ? Von wegen. Wieder einige Zeit später, ca. Dezember 2004, erhielt ich einen Anruf, er wolle Cally nun doch verkaufen. Die damaligen Probleme seien zwar behoben, aber dennoch fragt Cally bei jedem Alleine-Ausritt (mit Begleitpferd ist sie absolut problemlos!!!!), ob man an bestimmten Dingen nun vorbei gehen müsste oder nicht. Immer wieder traten kleinere Probleme bei Allein-Ausritten im Gelände auf, die nach und nach an den Nerven des Besitzers zehrten, der ja eigentlich nur „gemütlich ausreiten“ wollte. Schlicht und ergreifend gesagt: Auch er hatte nicht ausreichend Zeit, sie mindestens 3 - 4 x die Woche zu reiten oder zu beschäftigen. Er entschloß sich, wirklich sehr schweren Herzens, zum Verkauf an jemanden mit Zeit, evtl. für den Turniersport oder an jemanden, der grundsätzlich immer nur in Begleitung ausreitet.
Wieder hätte ich Cally zurück kaufen können, aber wieder sagte ich vernünftigerweise NEIN. So suchten wir dann parallel wieder einmal einen neuen Besitzer, der Spaß daran hat, dieses Pferd weiter auszubilden.
Im Laufe der Zeit erhielt ich einen Anruf, der Besitzer hat sein „gemütliches Ausreitpferd“ getroffen und gekauft und ist glücklich mit dem neuen Wallach. Muß wohl ähnlich wie Billy aussehen (viel weiß).
Im Juni 2005 erhielt ich dann eine Info auf meinen Anrufbeantworter, Cally sei gut verkauft. Ich muß ihn noch anrufen, wo das Pferd hin ist…. Infos folgen.
Was habe ich nun aus dieser Geschichte gelernt?
Fahre niemals ein Pferd angucken, wenn Du nicht wirklich eines brauchst.
Kaufe nie ein junges Pferd, wenn Du nicht wirklich die Zeit dafür hast, es auszubilden.
Du kannst JEDEM Käufer immer nur vor den Kopf gucken. Es kommt (meistens) immer anders, als man denkt.
Und: Gebe NIE ein Pferd unbeaufsichtigt in Beritt. ;-)
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Anfang des Jahres 2008 hat sich die neue Besitzerin von Cally bei mir gemeldet. Auch wenn sie (leider) einen schweren Unfall mit ihr hatte, ist sie trotzdem sehr glücklich mit Ihr. Sie startet Cally auf Western-Turnieren, u. a. in der Pleasure.
Hier einige aktuelle Bilder!
Ich habe weiterhin mit der neuen Besitzerin Kontakt und wir wollen uns auch einmal treffen!
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21.11.2008
Und wieder Neuigkeiten. Die neue Besitzerin (sie heißt Nikita) hat auf einem Turnier am 09.11.2008 4 x den 1. Platz in verschiedenen Westerndisziplinen belegt.
Die Fotos dazu kann man leider nicht mehr im Netz finden.
Ich finde das aber trotzdem sooooo toll, daß die beiden so schön miteinander klar kommen!!!! :-)
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Ende 2010
Ich habe im Jahr 2010 mehrmals versucht, mit Nikita Kontakt aufzunehmen. Aber über E-Mail konnte ich sie nicht mehr erreichen.
:-(
Vielleicht probiere ich es noch einmal dieses Jahr.
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