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Schwalm-Nette-Track
Distanzritt der VFD Schwalm-Nette am 24.09.2005
Mein erster Distanzritt oder:
Der Tag an dem ich „mein“ Pferd kennen lernte…
(Fotos siehe unten)
Sonntagmorgen, 5.30h, und mein Wecker klingelt… was man nicht so alles auf sich nimmt! Nachdem ich kurzzeitig im Chaos versunken bin (meine Mama war einfach noch nicht aus dem Bett zu bewegen!), stand ich dann um halb 7 bei Simone auf der Matte. Die zwei Reitbeteiligungskids Jule und Mandy waren auch schon da und machten sich gleich ans äppeln, während Simone schnell fütterte und ich meine Sachen und schließlich die Casa, die mein Pflegepferdchen ist, einpackte.
Um 7.30h waren wir dann abfahrbereit… und nach einer halben Stunde auch schon da! Da, das heißt in Brüggen, weil dort fand ja der „Schwalm – Nette – Track“ statt! Ich hab mich dann schnell auf den Weg zum Melden gemacht, in der Zwischenzeit bauten meine Helfer (noch mal ein gaaaanz dickes DANKE an Euch!!!) schon mal den Paddock auf… Das Pferd war also schon mal versorgt!
Da ich noch keine Mitreiter hatte, hat Simone sich erstmal aufgemacht, mir welche zu suchen... und siehe da: Sie war erfolgreich! Uli mit ihrem Fjordhengst und Alex (?) mit einem Isi–Mix am Start, waren so nett sich meiner anzunehmen (Danke auch Euch noch mal )! Wenn man sich jetzt so denkt: „Hm, ein Fjordi, ein Isimix und ein Traber ...? Passt das...?“, dann hat man eindeutig falsch gedacht! Aber dazu später…
Nach der Voruntersuchung (bei uns gab`s natürlich nichts zu beanstanden!!) wurde Casa dann schön gemacht, gesattelt und getrenst und dann war`s auch schon fast so weit. Aber bevor es losging, gesellte sich noch ein Mädel mit Wanja, einem Hafi-Mix, zu uns. Ihre Mitreiter waren wohl schon gleich ausgeschieden, wenn ich das richtig mitbekommen hab… Da schwirrten mir grad noch andere Dinge im Kopf herum… War ja mein erster Ritt!
Soooo und dann gings endlich los! Unsere Startzeit wurde eingetragen und dann auf auf!! Bis in den Wald war noch gemütliches Schritt-gehen am langen Zügel angesagt… Aber das war auch das letzte Mal an diesem Tag – zumindest unterm Reiter! Denn als wir einen Gang höher schalten wollten, war das der Casa nicht schnell genug: Sie schaltete gleich zwei höher. Dieses Gehampel (Casa mischt dann nicht nur Trab und Galopp, sondern sie hat ja auch noch Tölt im Angebot…) ging dann die ersten paar Kilometer, bis Frau Traberin, mittlerweile schon klatschnass (war doch alles soo aufregend!!), endlich eingesehen hatte, dass Traben ja auch ein Weg wäre, das Ziel zu erreichen! Auch der kleine Isimix hat sich kräftig aufgeregt und stand Casa sowohl in punkto Tempo als auch beim Schwitzen in nichts nach! Und unser Hengst hat auch immer schön mit unseren beiden Renneseln mitgehalten.
Na ja, nun endlich konnte man sich mal entspannen und nett unterhalten! Bald waren wir ohne nennenswerte Zwischenfälle am „Weißen Stein“ angelangt und hatten somit die ersten 7 km schon hinter uns. Weiter gings durch den Grenzwald, immer den Markierungen nach, denn auf der Karte konnten wir unseren Standpunkt schon kurz nach dem „Weißen Stein“ nicht mehr finden… Doch mit der Zeit wurden die Absperrbändchen immer seltener, bis wir schließlich gar keine mehr fanden… Aber dass stellte kein Problem dar, weil wir ja eigentlich nur den Reitwegen folgen mussten. Als uns dann aber doch irgendwann Zweifel kamen ob das nun alles noch so richtig war was wir da anstellten, kam hinter der nächsten Kurve die Straßenüberquerung in Sicht! Wir hatten also doch den richtigen Weg genommen!! Den letzten Kilometer bis in die Pausenstelle haben wir dann unsere Pferdchen geführt und mir kamen auch direkt „meine“ Kids mit einer Abschwitzdecke entgegen.
Nachdem Casa den Eimer mit dem Wasser zum Kühlen dann erstmal umgerannt hatte, hatte sich das Kühlen dann auch erledigt. Also haben wir unseren bzw. Casas Puls gemessen, der bei 52 lag. War doch schon mal ganz ordentlich. In den nächsten 10 Min. hat Casa sich dann schön verwöhnen lassen: abgewaschen und getüddelt worden ist sie… alles was das Pferdeherz begehrt! Dann kam das zweite Pulsmessen und damit der Zeitpunkt, in dem Casa mich voll hat hängen lassen… Sie stand völlig entspannt neben Wanja, ihrem auserkorenen Kumpel, und ich dachte mir schon „Juchuuh!“, als die Tierärztin zu messen anfing. Doch dann hörte die Ärztin einfach auf und meinte ich solle weiter nach hinten gehen weil es an dieser Stelle so rüselig war… Und ich Vogel mach das auch noch!! Weg vom Kumpel…HILFE! Und damit schoss der Puls wieder in unermessliche Höhen… Eingangspuls von 52 und dann nach 10 Min. wieder 52!!! Damit waren wir dann ja schon fast aus dem Rennen… Na ja dafür gabs ein Lob beim Vortraben! Leider ist dann aber Alex (?) ausgeschieden, weil ihr Pony anscheinend nicht klar lief…
Also gingen wir nur noch zu dritt in die zweite Runde. Und was für eine…
Schon an der Pausenstelle fing es an: Man konnte nicht mehr geradeaus laufen… Und klare Gangunterscheidungen waren ab jetzt Teil einer unbekannten Fremdsprache… nie gehört! Die schönen Reitwege luden ja schon zum Rennen ein und da auch noch eine andere Gruppe einige 100 m vor uns war, wurde das Rennpferd in Casa wach. Das Gehampel der allerersten paar Kilometer konnte ich ab jetzt als nebensächlich bezeichnen. Jetzt meinte Casa anfangs nur: „Geht’s jetzt schneller? Können wir endlich anfangen?“ und tänzelte dementsprechend rum. Die Anstrengungen der ersten 15 km waren jedenfalls vergessen…
Mit der Zeit steigerte sie sich soweit, dass sie nur noch seitwärts lief, egal welche Gangart…(Wann bitte werden wir das je auf dem Platz können???) Dann kam auch noch Kopfschlagen dazu...Langsam wuchsen meine Zweifel: Wieso hast du dich hierfür begeistern lassen?? Die waren spätestens als wir in ein Wohngebiet kamen und dort erst einen Parkplatz überqueren und dann eine Asphaltstraße entlang reiten mussten perfekt. Wenn es alles gewesen wäre dass wir die ganze Straße eingenommen haben... Aber hier fuhren auch noch Autos! Alle Hilfen zerliefen sich im Sande, wollte ich nach rechts an die Seite reiten, riss Casa den Kopf nach rechts, lief aber nach links...quer über die Straße... Zu alledem ist das Pferdchen auch noch beschlagen (sie läuft ja in ihrer Freizeit auch vor der Kutsche), was sich nicht unbedingt positiv auswirkte. Es war verdammt rutschig! Und da mir ja so gesehnen jegliche Kontrolle fehlte, wurde es mir doch etwas mulmig... Letztendlich, wie nicht anders zu erwarten, passierte dann auch noch das, was ich zwischenzeitlich schon befürchtet hatte: Casa, mal wieder seitwärts unterwegs, rutschte mit ihrem Hinterteil die ca. 30cm messende Kante in den tiefer liegenden Randstreifen hinunter. Der Schock saß tief, der erste Sprung hinaus gelang noch nicht, aber beim zweiten Anlauf landeten wir mit einem Riesensatz wieder auf der Straße. Und das alles mit Eisen... Mensch war ich froh, als wir wieder in den Wald abbogen! Da ging zwar das Theater weiter aber wenigstens waren die Reiter vor uns nicht immer zu sehen… also wurde es zwischenzeitlich etwas (aber minimal wohlgemerkt!) besser. Nun ja, das alles hat mich aber vorübergehend auf den Gedanken gebracht, ob ich nicht Simone anrufen und bitten solle, mich irgendwo zu holen. Aber ich war tapfer!
Als wir wenig später wieder ein bewohntes Gebiet durchreiten sollten bin ich direkt abgestiegen, noch mal so eine Tour über Asphalt wie zuvor musste ich echt nicht haben...zumal die Gruppe vor uns wieder zu sehen war! Nachdem das dann aber geschafft war und ich sogar wieder auf Casa hochgekommen war (mir waren ja schon Bedenken gekommen wie ich auf so einen Hampelmann…`tschuldigung Casa: Hampelfrau... wieder hochklettern solle), lagen nur noch Waldwege vor uns, die ich die Traberin dann hab galoppieren lassen…weil Trab ist ja zu langsam. Wenn sie meint, bitte… der Galopp ist für mich sowieso bequemer…und schneller als im Trab waren wir so auch nicht! Mit der Zeit hat sie sich dann auch wieder etwas beruhigt als sie nun endlich endlich laufen durfte. Vielleicht ist auch einfach wieder etwas Luft durchs Hirn geblasen worden, wie Simone das nennen würde.
So waren wir wieder munter den Beschilderungen gefolgt, bis wir auf einer Kreuzung mit zwei Bändchen auskamen: eins wies den Weg nach rechts, eins geradeaus. Was nun? Unausgesprochene Vermutungen des Betrugs keimten in uns allen auf wie wir später feststellten, aber letztendlich entschieden wir uns für den rechten Weg. Und als wir frohen Mutes um die nächste Kurve trabten, erspähten wir ein Pferd (das wir aufgrund seiner auffälligen Zeichnung als zu uns gehörend identifizieren konnten). Allerdings ohne Reiter. Der lief nebenher. „Hm, komisch“, dachten wir uns. „Ist da was passiert oder sind wir etwa schon gleich da???“ Die sahen alle beide ganz fit aus, wie man das nach 33 km eben so sein kann, und ein Stückchen weiter führten noch mehr Leute ihre Pferde… Da kann doch was nicht stimmen… echt schon da? Und tatsächlich, nach wenigen Metern war der Wald zu Ende und wir am Ziel! Allerdings schon eine halbe Stunde zu früh! Dafür hatte Casa dann wohl gesorgt… Das letzte Stück haben auch wir dann zu Fuß zurückgelegt, haben noch ein paar Minuten abgewartet und den Puls sinken lassen…wir hatten ja Zeit!
Unser Eingangspuls lag dann wieder bei 52, erstaunlich wenn ich an die Aufregung denke! Casa hat bestimmt die doppelte Strecke zurückgelegt… Der zweite Pulswert lag dann bei 44, noch recht hoch für Casa, die normalerweise einen Ruhepuls von ca. 32 hat. Aber gut… man macht das ganze ja zum Spaß!!
Dann hieß es warten… Erst zwei Stunden bis zur Nachuntersuchung, wo wir wieder ohne Probleme durchkamen! In der Zeit haben sich die Kids gaaanz lieb um die Casa gekümmert, während sich bei mir der tote Punkt bemerkbar machte. Dem wurde mit viel Kaffee entgegengewirkt, ok es wurde versucht!
Da wir unter den Ersten gewesen waren die ins Ziel gekommen sind, haben wir uns die Zeit damit vertrieben, unseren „Konkurrenten“ zuzuschauen, wie sie durch die Nachuntersuchung kamen, oder manche eben auch nicht.
Gegen fünf Uhr war es endlich soweit, die Siegerehrung fing an und ich war frohen Mutes, den letzten Platz zu machen! Nein so schlimm war es auch nicht… Ich bin dann noch 25ste geworden! Von 63 Gemeldeten, heißt es sind nur 50 gestartet und davon auch noch welche bei den Tierarztuntersuchungen rausgeflogen…Aber das muss man ja nicht so sagen, oder?!
Dann gings dann auch schon ganz flott wieder nach Hause, müde, aber froh durchgehalten und Casa nach 2 Jahren endlich richtig kennen gelernt zu haben! Und natürlich mit dem Plan nächstes Jahr wieder zu starten! Nicht wahr Simone?
Mara Braun
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