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     Zu Pferd am Niederrhein

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DUFFY

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Der Kauf

Nachdem ich nun meine „erste“ Daffy im Mai/Juni 1992 wieder an die Händlerin zurückgegeben hatte, war ich wieder auf Pferdesuche. Hierdurch wurde ich auf den Traber Männi aus Viersen aufmerksam, den sich mein Mann kaufte – hatte er also eher ein Pferd als ich!!!

Es war irgendwie ziemlich schwierig für mich, ein passendes Pferd zu finden. Dabei waren meine Wünsche eigentlich ganz einfach: Rasse, Geschlecht, Farbe, Alter, alles war egal, nur die Größe nicht, die sollte so zwischen 1,45 m – 1,50 m betragen.

Gefrustet durch die viele Sucherei fiel mir zu dem Zeitpunkt eine ca. 1,5 Jahre alte Ausgabe der Rheinlands Reiter Pferde in die Hand, die ich lieblos durchblätterte. Dort sah ich die Anzeige eines Pferdehändlers aus Viersen, der in der Anzeige Import-Pferde aus dem Osten anpries. Ich rief dort an und erklärte meine „Vorstellungen“. Leider hätte er kein passendes Pferd (von der Größe her) für mich, wir verabschiedeten uns schon, der Hörer ging schon Richtung Gabel – HALT, STOP, sagte er, vielleicht hätte er da doch eine Stute für mich…. keine Stunde später waren wir vor Ort.

Ich stand vor besagter Stute. Hinter den Gitterstäben der Box lief eine ca. 1,45 m große, braune, nervöse Stute mit weit offenen Augen im Kreis herum, sie fühlte sich sichtlich unwohl. Der Händler holte sie aus der Box, ließ sie satteln und trensen (was ziemlich lange dauerte) sowie von einer Reiterin (mit Gerte und Sporen bewaffnet) vorreiten. Was man so vorreiten nennen konnte. Es handelte sich hier um „Jagdgalopp quer über den Platz“ oder um „zitternd auf der Stelle stehen“. Ein normales Reiten war ihr nicht möglich. Ich ging zu der Reiterin hin und bat sie, einfach mal nichts zu tun. Ich führte das Pferd einige Meter im Schritt, was kein Problem war. Ich tat dann doch noch das Unfassbare und sagte, ich wolle auch mal drauf. Die Reiterin stieg ab, ich auf und mein Ritt dauerte keine 30 Sekunden…. Ich wollte nach rechts, das Pferd nach links, schon stieg sie und überschlug sich mir mir… noch im Sand sitzend verhandelte ich mit dem Händler über den Kaufpreis… mein Mann und anwesende Freunde rieten mir ab, ich solle doch nicht dieses Pferd kaufen…. Sie hatten keine Chance, denn ich hatte MEINE Herausforderung gefunden!!!

Das Pferd wurde wieder in die Box gebracht und mein Mann Geld holen geschickt.  In dieser Zeit unterhielt ich mich mit dem Händler ein wenig über das Pferd und versuchte so viele Informationen wie möglich zu bekommen. Der Händler sagte, er holt immer LKW-weise Pferde von Polen etc. nach Deutschland und verkauft sie hier. Was nicht verkauft wird, geht in die Wurst. Speziell diese Stute sei vor mir schon 3 x verkauft und immer wieder zurück gebracht worden, weil die jeweiligen Käufer damit nicht klar kamen, ihre letzte Reise wäre nun der Schlachter gewesen - bis zu meinem Anruf, ich war sozusagen die letzte Chance… in letzter Sekunde….

Ich bemerkte, dass die Stute so was wie einen Hautpilz haben musste, laufend hustete, die Hufe absolut nicht geben wollte (Schmerz wegen Strahlfäule) und überhaupt ließ sie sich nicht wirklich gerne anfassen.

Ich bat darum, einen Tierarzt kommen zu lassen, der das Pferd lungentechnisch untersucht (ich war ja nun durch die erste Daffy vorgeschädigt), und ich wollte das Pferd (mangels eigener Möglichkeiten) gebracht bekommen. Dies sicherte mir der Händler sofort zu.

Nach einiger Zeit kam der Tierarzt auf den Hof (wie sinnig, natürlich der des Händlers ;-) ) und er sagte nach der Untersuchung, der Husten, den das Pferd im Moment hätte, wäre akut, nicht chronisch. Sozusagen noch ein Husten vom Transport aus Polen. Ich ließ mir vom Händler eine „Garantie“ auf die Lunge geben und nun ging es ans Verladen.

Dort durfte ich dann feststellen, wie Pferde von Händlern verladen werden, wenn’s ums Geld geht…. Ich will mich hierzu nicht groß äußern, reinprügeln wäre noch untertrieben. Das Pferd wehrte sich durch Steigen und mit allen Hufen, in das bereitgestellte dunkle Loch (einen Einer-Hänger) zu klettern. Mit viel Gewalt, bei der ich mich auch noch an der Hand leicht verletzte, gings dann aber.

Am neuen Zuhause in Oberhausen-Holten angekommen kam dann das nächste Problem: Das Pferd wollte aus dem Hänger nicht mehr raus. Keine Chance, schieben, drücken, ziehen, schlagen, nichts ging….. das Pferd stand wie eine Statue im Hänger, obwohl sie eigentlich raus wollte. Nach einiger Zeit drehte sie sich dann im Einer-Hänger (!!!!) und fügte sich eine Verletzung am Kopf zu… aber jetzt war alles egal: Das Tier war draußen. Der Händler konnte abdüsen.

 

Im neuen Zuhause

Duffy-1Da stand ich nun stolz mit meiner Errungenschaft… ich taufte sie DUFFY, und brachte sie erstmal in ihre neue Box. Ich beschloß, in den nächsten Tagen und Wochen sie erstmal nur „Pferd“ sein zu lassen, damit sie ihre Nerven etwas schonen und zur Ruhe kommen konnte.

Auf dem Foto seht Ihr ihren damals üblichen “verängstigten” Blick.

Das nächste Problem sollte dann auch gleich am nächsten Tag kommen. Wir brachten unsere Pferde und die 2 weiteren Pensionspferde des Stalles auf die Weide. Das abendliche Reinholen gestaltete sich äußerst schwierig, da sich Duffy nicht einfangen ließ. Mit 3 Leuten kreisten wir das Pferd auf der Weide ein, nach zwanzig Minuten hatten wir dann Glück und konnten sie „schnappen“ und reinbringen.

Ich konsultierte in dieser Zeit sofort wieder meinen Tierarzt, um was gegen den Pilz und natürlich hauptsächlich den Husten zu unternehmen. Den traf fast der Schlag, als er hörte, dass ich mir (schon wieder) ein Pferd mit Husten an Land gezogen hatte… der war sogar richtig sauer. Er untersuchte Duffy und wir gaben ziemlich lange ziemlich viele Medikamente gegen den Husten, bis mir (endlich) mal jemand den Tip gab, das Heu naß zu machen. Ziemlich schnell war danach der Husten auch verschwunden. Ca. 1 Jahr fütterte ich nasses Heu. Der Husten kam bis heute – auch bei ausnahmsweise mal schlechterer Heuqualität – nie wieder. Der Husten war also wirklich nur akut und es hatte sich keine Heuallergie entwickelt. *froi*

In den ersten 3 Wochen tat ich also nichts anderes mit dem Pferd als Putzen, Knuddeln, auf die Weide bringen und Leckerlies geben. Nach diesen 3 Wochen Zeit hatte ich ein Pferd, welches wie Black Beauty auf mich zugaloppierte, wenn es abends ans Reinholen ging. Ich (bzw. Mensch) war also nicht mehr „gefährlich“. (Nur ihre „Abneigung“ gegen fremde Männer hat sie bis heute behalten.) So konnte ich dann langsam anfangen, mit dem Tier zu arbeiten, d. h. ich lies zu dieser Zeit das Buch von Linda Tellington-Jones (So erzieht man sein Pferd), nach dem ich Duffy dann am Boden ausbildete.

Weiterhin übte ich in diesen Wochen das Hufe-Geben, was für Duffy überhaupt nicht selbstverständlich war. Für das Hufe-Auskratzen, vor allem an den Hinterhufen, brauchte ich letztendlich 3 Monate tägliches Training, bevor sie endlich nachgab. Hier half mir letztendlich nur der „Trick“ mit einem langen Seil und viel Geduld…

 

Das Anreiten

Nach ca. 1,5 Monaten sollte dann auch noch die Zeit des Reitens kommen. Damit das nicht mit einem Überschlag endete wie auf dem Proberitt beschloß ich folgende Maßnahme: Ich bat meine damalige Freundin sowie meinen Mann jeweils mit Pferd anwesend zu sein. Duffy wurde von deren Pferden in die Mitte genommen. Mit ziemlich mulmigem Gefühl stieg ich auf, eingegrenzt von den anderen Pferden. Ich saß also oben und machte NICHTS, einfach gar NICHTS, damit die Situation nicht eskalierte. Nach ca. 3 Minuten stieg ich wieder (freudestrahlend) und laut lobend ab und ließ es gut sein für diesen Tag.

Am nächsten Tag wiederholten wir die Prozedur, die Pferde durften sich auch in Bewegung setzen, ein Pferd vor Duffy, eins dahinter, nur Schritt. Duffy war nervös, aber brav. Zügel aufnehmen war verboten, genau wie Bein anlegen. Kennt Ihr das Gefühl, auf einer Bombe zu sitzen, bei dem Ihr wirklich nichts machen dürft, damit sie nicht explodiert? Es war gruslig, aber es klappte. Ich „ritt“ insgesamt ca. 5 Minuten zwischen den anderen Pferden im Schritt.

Am dritten Tag wiederholten wir das Spiel, diesmal 10 Minuten Schritt zwischen 2 anderen Pferden.

Tja, kaum zu glauben, aber am 4. Tag ritten wir ne Stunde ins Gelände. Ein Pferd vor mir, eins hinter mir. Ich ließ mich einfach nur tragen. Da Duffy ja (aufgrund dessen, dass sie in Polen Kutschpferd war) 100 % straßensicher sein sollte, machte ich mir keine großen Gedanken.Duffy-6

(Auf dem Foto war sie gerade ein paar Mal unter dem Sattel, auch hier ist der “irre” Blick zu sehen.)

Diese Ritte wiederholten wir täglich, und während dessen habe ich dann mal angefangen, vorsichtig den Zügel aufzunehmen oder ein Bein anzulegen oder mal ne Volte um einen Baum zu reiten, mal zu bremsen etc. Ganz behutsam und stressfrei lernte Duffy so, auf den Reiter zu hören und ihre Angst zu verlieren. Sie gewöhnte sich schnell an die ungewohnten Bewegungen auf ihr.

Nach einiger Zeit, als ich etwas sicherer war, wollte ich auch mal alleine Ausreiten. Dort kam dann Duffys nächstes Problem zum Vorschein. Zum einen klebte sie am Stall und den anderen Pferden, zum anderen stieg sie aus den kleinsten Anlässen gen Himmel.

Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie ich es damals geschafft habe, zu überleben. Mich gruselt es ganz schön im Nachhinein. Sie war wirklich ein Steiger, der bis zum Anschlag in die Höhe schoß – und das mitten auf der Straße, also auf Asphalt. Und ich natürlich immer ohne Kappe…

Aber auch dieses Problem bekam ich nach längerer Zeit in den Griff. Als ich ihr das Steigen mittels eines kleinen „Tricks“ abgewöhnt hatte, den ich mir damals selber einfallen ließ (ich hatte ja niemanden, der mir helfen konnte), gewöhnte sie sich das „Drehen“ an. D. h. bei „Gefahr“ blitzschnell umdrehen und ab durch die Mitte. Dieses Problem löste ich genauso wie das Steig-Problem, zum Glück war es nicht so gefährlich. Und genialerweise „drehte“ Duffy immer in die gleiche Richtung, so dass man sich mehr oder weniger darauf vorbereiten konnte. (Heute steigt und dreht sie überhaupt nicht mehr… als wäre es komplett in Vergessenheit geraten…)

Weiterhin musste ich Duffy im Laufe der nächsten 12 Monate auch noch das Kleben abgewöhnen. Meiner Meinung nach eines der nervigsten Probleme, welches ein Geländepferd haben kann. Sie klebte so extrem an anderen Pferden, dass sie teilweise auf Ausritten nicht in der Lage war, vorne zu laufen, es war eine Katastrophe. Das Kleben wurde nur durch 2-maligen Stallwechsel besser – und sie wurde durch die Integration in ständig neue Herden selbstbewusster.

 

Duffy und das Verladen und die Turniere

Im September 1992, also schon 3 Monate nach dem Kauf, ging es schon auf die erste Rallye…. mangels eines eigenen Hängers ritten wir dorthin – und zwar von Oberhausen-Holten bis Duisburg-Baerl, zu deutsch: Über die A 42 Autobahnbrücke über den Rhein. Wir Reiter machten uns schon vorher in die Hose, ob DAS wohl gut geht…. aber die Pferde machten alles ganz cool mit, wir führten sie über die Brücke. Das ist ein Gefühl, sag ich Euch, es ist unglaublich, wie lang die Brücke ist, wenn man zu Fuß dort drüber geht. Und schwanken tut die auch ganz doll, das merkt man sonst gar nicht, wenn man mit dem Auto drüber fährt. Jedenfalls waren unsere Pferde ganz cool. LKWs mit Tempo 100 in 3 Meter Entfernung, natürlich wild hupend neben unseren Pferden, unter uns fuhren die Schiffe…. ein Erlebnis, welches man nie wieder vergisst. Die Rallye am nächsten Tag war da schon fast Nebensache…

Weiterhin wollte ich dann im September 1992 auch schon zum ersten Robinson-Turnier nach Duisburg-Rheinhausen. Hierzu wollte ich mich von einer Bekannten mit Hänger abholen lassen. Leider hatte ich bis zum Turniertag selber nicht wirklich viele Möglichkeiten, mit Duffy das Verladen zu üben. Am Tag des Turniers kam dann meine Bekannte wie abgesprochen mit Hänger. Sie öffnete ihn und vor uns stand nun ein dunkelblauer Hänger mit schwarzer Rampe. Nicht wirklich gemütlich für ein Pferd, das schlechte Erfahrungen mit Verladen gemacht hat…

Wir probierten also, Duffy zu verladen. Sie stieg wieder bis fast zum Überschlag, nein, sie wollte nicht in diesen dunklen Hänger und wehrte sich massiv mit allen Hufen. Wir probierten alles, mit Futter (keine Chance), Longen etc. Dazu setzte mich meine Bekannte noch leicht unter Druck von wegen… „wenn sie in 10 Minuten nicht drin ist, fahre ich ohne Dich“… ich verzweifelte langsam, wurde traurig, die Zeit drängte, die ersten Tränen kullerten vor lauter Frust aus meinen Augen…. Da stieg Duffy plötzlich unerwartet ein, einfach so. Ich konnte es kaum fassen – schnell die Klappe zu und losDuffy-5 zum ersten Robinson.

Robinson selber ließ ich schön langsam, im Schritt und Trab, angehen, da ja alles noch ziemlich neu für Duffy war.

(Auf dem Foto einige “Robinsons” später... :-) )

Die Rückfahrt gestaltete sich einfacher, ein großer heller Hänger mit gelber Plane, sie war sofort drin.

Im Oktober 1992 war noch ein Freizeitreiter-Turnier in Hünxe-Drevenack, ich kam mit Duffy nicht mal über die Startlinie des Geschicklichkeitsparcours, weil dort ein LKW mit Richtern darauf stand. So führte ich sie halt durch die Prüfung… (… übrigens ein Jahr später Duffy-3belegte ich dort in der gleichen Prüfung (Spring-/Geschicklichkeitsprüfung) mit Duffy den ersten Platz gegen Großpferde  ).(Auf dem Foto reite ich gerade in genau dieser Prüfung durch die Ziellinie :-) ).

Im März 1993 konnte ich erstmals auf einem kleinen Turnier in Duisburg komplett ohne Probleme durch eine Geschicklichkeitsprüfung reiten, der Durchbruch in Sachen „Alleine durch den Parcours reiten“ war geschafft.

Beim Verladen ließ sie mich – trotz Üben - weiterhin hängen. Es stand wieder ein Turnier an, diesmal ein Westernturnier in Hünxe, ich organisierte mir wieder eine Mitfahrgelegenheit und versprach der Fahrerin, bis dahin ordentlich das Verladen zu üben, was ich auch tat. Stundenlang saß ich im Hänger, mit Duffy stehend auf der Rampe, auf dem Hof des damaligen Pensionsstalles. In aller Ruhe verlud ich Duffy, versuchte ihr so die Angst vor dem Hänger zu nehmen, was mir - eigentlich - auch gelang… dachte ich….

Am entsprechenden Tag dann kam meine Mitfahrgelegenheit, ich lud meine Sachen ins Auto und das Pferd sollte nun in den Hänger, aber leider weit gefehlt… Duffy wollte wieder nicht in den Hänger. Es ging wieder – trotz der vielen Überei vorher – das Gehampel und Gesteige vor dem Hänger los. Ich war natürlich sauer und wieder traurig und völlig fertig, wieder kullerten die Tränen vor lauter Frust, weil die Zeit drängte…. und schwupps war sie oben. Ich hätte sie erschlagen könnten!!!!!

 

Duffy und der Schmied

Das Problem mit dem Hufe-Geben zum Auskratzen hatte ich ja innerhalb von 3 Monaten gelöst, allerdings sobald ein Hufschmied die Stallgasse betrat, war mein Pferd wie ausgewechselt. Allein in dem Gebiet Oberhausen/Dinslaken „verbrauchten“ wir ca. 6 – 7 Schmiede, die alle nach ihrem ersten Besuch nicht wieder kommen wollten. Das Ausschneiden klappte nur dann halbwegs, wenn ICH den Hinterhuf hielt, ein Schmied alleine hatte keine Chance. Das Hufschmied-Problem zog sich auch noch fort, als wir 1994 nach Geldern zogen, wo ich Duffy hinterm Haus halten konnte. Auch hier telefonierte ich mit 6 – 7 Hufschmieden, die alle nicht kommen wollten, da ich bereits am Telefon so ehrlich war, zu sagen, dass ich ein Problempferd hätte. Die Schmiede sagten klipp und klar, dass sie genug Kunden hätten und auch genug zu tun, warum sollte man sich so was antun?

Irgendwann gab jedoch endlich ein Schmied nach und schickte seinen Mitarbeiter. Die Aufgabenstellung war eigentlich ganz einfach: 4 Hufeisen abnehmen und rundraspeln… der „Berg“ von einem Mann (Länge mal Breite) schaffte es sogar bis zum 3. Eisen, bei Eisen Nr. 4 schaffte er noch einige Nägel, jedoch nicht mehr den letzten Nagel. Das Eisen hing an einem Nagel und es war nichts, aber auch gar nichts mehr zu machen, an das Pferd war nicht mehr ranzukommen. Wir einigten uns darauf, dass es ja wohl nicht lange dauern könnte, dass sich das letzte Eisen aufgrund der damals vorhandenen Matsche von selbst ausziehen würde, und er würde dann zum Nachraspeln kommen.

Die Tage vergingen….. 14 Tage später hing immer noch das Eisen an einem Nagel am Hinterhuf. Es war unglaublich. Ich telefonierte wieder nach einem (anderen) Schmied, der vorige wollte nicht wieder kommen und endlich, endlich sagte ein damals angehender Schmied, der gerade in der Ausbildung war: Auch Problempferde müssen gemacht werden….. und er kam und brachte viel, viel Zeit mit. Ich freute mich wie ein Schneekönig.

An besagtem Tag erschien dann der junge Schmied, mit großen Sprüchen, ach, das kleine Pony da… das ham’ wir sofort…. Ich grinste mir nur einen…. na, um es kurz zu machen, das Grinsen verging ihm ziemlich schnell, als er nämlich nach ca. 1,5 Stunden das Hintereisen immer noch nicht ab hatte, weil das Pony ihn nicht ran ließ. Ein zufällig anwesender Tierarzt sedierte dazu noch mein Pferd, wir verbanden ihm die Augen… es war nichts zu machen. Wir hatten den Eindruck, die Sedierung würde bei ihr aufputschende Wirkung haben. Duffy machte jedenfalls einen Handstand nach dem anderen (keilte laufend in Menschen-Kopfhöhe aus)…. Ich stand mittlerweile schon verzweifelt vor dem Schmied und fragte klipp und klar: Was tut man in einem solchen Fall? Der Schmied schaute kurz, dachte nach, nahm ein Seil, welches ich um die Hinterfessel binden musste (er kam ja nicht mehr dran). Das Seil wurde also von der Hinterfessel über den Rücken gezogen und vorne um den Hals. Wenn man nun an dem Seil zieht, hebt sich das Hinterbein Richtung Bauch an. Durch den „Flaschenzug“ hat das Pferd keine Möglichkeit, den Huf wieder abzustellen, es würde quasi an sich selber ziehen/gegen seine eigene Kraft arbeiten. Duffy strampelte kurz, versuchte los zu kommen, legte sich ins Halfter, saß fast auf dem Hintern, es war schlimm aber an sich nicht gefährlich für das Pferd. Wir hätten den Strick ja im Notfall sofort loslassen können… jedenfalls waren wir besonders nett und ließen Duffy so einige Minuten hängen. Plötzlich meinte der Schmied, dass es nun schnell gehen müsste. Ich solle sofort nun das Hinterbein hintenrausziehen, er würde mit der Zange bereit stehen. Innerhalb von Sekunden war das Eisen ENDLICH ab und das Pferd rundgeraspelt. Duffy hatte es nicht mitbekommen, dass der „Druck“ des Seiles weg war. Sie wurde sozusagen überrumpelt.

Nach 1 Stunde und 45 Minuten hatten wir es also endlich geschafft, das an einem Nagel hängende Hintereisen abzunehmen.

Der Schmied meinte natürlich, dass das ja wohl kein Zustand ist, wunderte sich immer wieder, dass ICH die Hufe ja bekam, aber sobald ER dran wollte, das Pferd ausrastete. Er hatte nun auch seine Herausforderung gefunden und meinte, das kriegen wir zusammen hin. Er wollte wiederkommen, nach ca. 10 Wochen, zum Ausschneiden. *froi*

Ca. 10 Wochen später war es also wieder soweit. Ich bekam die Hufe wieder ohne Probleme, aber sobald der Schmied dran wollte….  Er nahm sich also am betreffenden Tag sehr viel Zeit für Duffy. Duffy stand angebunden an einer Box in der Stallgasse. Der Schmied ging hin und streichelte Duffy, immer von der Kruppe Richtung Hinterfessel, immer und immer wieder, über eine halbe Stunde lang. Das anfängliche heftige Auskeilen schwächte im Laufe dieser halben Stunde ab, oft Auskeilen macht nämlich nach und nach müde. Irgendwann schaffte er es tatsächlich – wenn auch nur kurzzeitig – einen Hinterhuf zu halten. Beim Ausschneiden selber konnte ich die Hufe aber dann halten und er schnitt aus. Immerhin ein Erfolg.

Mit jedem Schmied-Besuch wurde es besser, je öfter der „fremde“ Mann kam, desto besser wurde es, wenn auch Duffy jedes Mal ein Gesicht zog, das zum Schreien komisch war (hochgezogene Nüstern, gefletschte Zähne, angelegte Ohren)…

Heute hat Duffy keine Probleme mehr mit Schmieden oder Hufpflegern, bei den Hinterhufen muß man eine ganz kleine spezielle „Regel“ einhalten, dann kann der Schmied/Pfleger die Hufe ganz alleine bearbeiten. Beschlagen wurde sie aber seit dem obigen Erlebnis nie wieder.

 

Duffy und die Gesundheit

Nach dem auskurierten Transporthusten 1992/1993 war erstmal Ruhe. Im Mai 1994 wurde Duffy richtig krank, sie magerte immer mehr ab, stand apathisch in der Box, verweigerte Futter, sie hatte einen Blähbauch und man sah die Rippen. Ihr ging es richtig mies. Der damals hinzugezogene Tierarzt hatte keine Erklärung, verschrieb teure Pülverchen für Muskelaufbau oder ließ Blutbilder (mit ganz entsetzlichen Werten) machen, die er aber selber nicht lesen konnte. Nur auf Vermutungen aufgebaut ließ er mich mehrere Wurmkuren geben. Dem Pferd ging es insgesamt immer schlechter, ich war hilflos. Als er eines Tages sagte, sie hätte bestimmt einen Bandwurm, ich solle mal 2 Wurmkuren gleichzeitig geben, stoppte ich diesen TA sofort. Ich hatte das Gefühl, noch 2 Wurmkuren und das Pferd klappt zusammen. Diese Odyssee dauerte ca. von Mai/Juni bis August/September 1994, in denen es meinem Pferd täglich schlechter ging.

Durch Zufall hatte ich im August 1994 Kontakt mit einer Bekannten *winkzugabi*, die mir von einem (mittlerweile sehr bekannten) Tierheilpraktiker aus Unna erzählte, der wohl wahre Wunder bei Pferden bewirken könne. Ich rief diesen sofort an, ich schilderte am Telefon haarklein alles was ist und alles was war, faxte ihm die 2 vorhandenen Blutbilder, wonach er mir sofort noch am Telefon sagte, ohne das Pferd je gesehen zu haben: Sie hätte einen Pilz im Darm. Ich solle sofort frischen Kot einschicken zum Veterinäruntersuchungsamt in Krefeld und nach Pilzen, Bakterien und Parasiten untersuchen lassen. Dies tat ich auch und ca. 10 Tage später hatte ich das Ergebnis in Form eines völlig „verpilzten“ Darmes. (Aspergillus, Candida, versch. Schimmelpilze etc.). Das Ergebnis teilte ich sofort dem THP mit und er sagte mir 4 homöopathische Medikamente, die ich mir in der Apotheke holen könne. Gesagt, getan.

Keine 14 Tage später hatte ich ein neues Pferd. Sie war wie ausgewandelt, die homöopathischen Medikamente schlugen voll an. Nach ca. 1 – 1,5 Monat ließ ich wieder Kot untersuchen, zur Kontrolle. Die Pilz-Werte waren fast vollständig verschwunden, ich war dem THP endlos dankbar, eine Rechnung habe ich von ihm nicht bekommen.

Seitdem lasse ich in regelmäßigen Abständen (alle 2 Jahre) Kot untersuchen, nur zur Sicherheit, allerdings heute bei einem anderen Institut, die direkt aus dem eingesandten Kot (Autonosoden) ein „Gegenmittel“ herstellen können, falls ein Befund da ist.

Im Oktober 1997 (exakt 3 Jahre nach dem Einzug in den Offenstall) bekam Duffy erstmalig Sommerekzem. Zu diesem Thema habe ich bereits alle meine Erfahrungen in einem Bericht zusammengefasst, diesen lest Ihr demnächst unter Erfahrungen. Daher gehe ich hier nicht weiter darauf ein.

Im Jahr 2000 hatte Duffy eine Hornhautverletzung am rechten Auge, aufgrund dessen sie leider trotz tierärztlicher Behandlung blind auf dieser Seite wurde. Auf dem linken Auge sieht sie etwas schlechter, hat z. B. auch bei Sonnenlicht, wenn es schräg durch Bäume auf den Weg scheint, gelegentlich Probleme in der Art, dass sie dann – egal aus welcher Gangart – stoppt und zuckend ihren Kopf beiseite dreht. Sie möchte halt ihr Auge schützen und meint, der Sonnenstrahl ist z. b. ein Ast, der ihr sonst ins Auge schlägt.

Aus diesem Grund wage ich keine reiterlichen Experimente mehr mit ihr, ich reite hauptsächlich mit Ihr im Gelände Schritt und Trab, Galopp selten und nur, wenn ich alleine bin und sie einen augenmäßig „guten“ Tag hat.

Ansonsten hatte sie zeitweise schon mal leichte „wetterbedingte“ Koliken, die ich aber mit Hilfe von Joghurt-Fütterungen sehr gut in den Griff bekommen habe. Das ist aber auch schon Jahre her.

Sie hatte mal ein Hufgeschwür und einmal hat sie sich im Galopp im Gelände vertreten, die dadurch entstandene Lahmheit musste über ein halbes Jahr lang auskuriert werden (ich hab sie einfach weiter laufen lassen).

Ansonsten ist sie – außer dem Ekzem, was wir mittlerweile gut und ohne irgendwelchen großartigen Aufwand im Griff haben – topfit und ich bin natürlich froh, dass sie so unkompliziert ist.Duffy-2

(Auf dem Foto: Duffy war vor Ihrer Augengeschichte für jeden Quatsch zu haben.)

 

Eigenschaften

Duffy ist ein richtiges Charakterpferd, das unglaubliche Grimassen schneiden kann. Sie ist unheimlich ehrgeizig, in allem was sie tut. Sie ist ein absoluter Einzelgänger, will meistens ihre „Ruhe“ haben. In der Herde ist sie der Chef von Billy und Casa. Den Nygard kann sie nicht wirklich leiden (sie mag ihn nur, wenn sie rossig ist, dann fordert sie ihn laufend zum Schmusen auf).

Auch mag sie nicht gern vom Menschen gekrault werden (außer im Sommer, wenn sie aufgrund des Ekzems etwas „juckiger“ ist).

Sie war früher ein „scharfes“ Gerät, wollte im Gelände immer die Erste sein, seit ihrem Augenproblem ist sie aber ruhiger geworden in der Beziehung.

Duffy ist jetzt (März 2005) ca. 19 oder 20 Jahre alt und ich hoffe, dass sie noch lange bei mir ist und gesund bleibt, wer uns zusammen sieht, meint, wir wären wie ein altes Ehepaar.

(Wie man auf dem Bild sehen kann: Der “irre” Blick war zu dem Zeitpunkt (ca. 1993) schon lange weg. :-) ).
Duffy-mitMütze

März 2011

Duffy ist mittlerweile in Rente. Die alten Knochen werden langsam müde, vor allem durch die einseitige Belastung. Sie ist aber immer noch die Nummer 1 in der Herde, also die unangefochtene Herdenchefin. Solange es ihr so gut geht und sie nur ein “bisschen” unklar läuft, kann sie hier von mir aus 100 Jahre alt werden.

Hier das letzte “Reit-Bild”. Ich hatte einen Sattel da, der ihr passte. Für ein paar “letzte” Runden setzte ich mich drauf. Aber sie sagte mir ganz deutlich während des Reitens, daß sie das nicht mehr schafft.

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Schlafen-Duffy

 

 

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