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Auch Esthel lernte ich durch Zufall kennen. Es gingen Gerüchte um, ein älterer Mann würde dort, wo er seine Schweine halten würde, auch ein Pony halten, das Esthel heißen würde.
Ich fuhr also dorthin, stellte mich vor und fragte, ob ich das Pony pflegen dürfte. Er war einverstanden, und wir gingen zum Pony. Das, was ich dann erlebte, sprengte alles bisher erlebte.
Er ging an einen Verschlag und öffnete ihn. Dort waren keine Fenster drin. Das heißt, mit dem Öffnen der Tür kam erst Tageslicht in den Verschlag!!! Dann mußte er erstmal ca. 10 blaue große Tonnen beiseite räumen, mit denen er immer das Schweinefutter holte. Es war ein Alptraum. Dahinter sah ich dann Gitter und eine Bewegung. Unglaublich....
Er holte ein völlig verstörtes, graues Pony dort heraus. Es drehte dermaßen durch, daß der alte, aber große Mann deutliche Probleme hatte, das Tier am Führstrick festzuhalten. Ich habe keine Ahnung, wie lange das Tier kein Tageslicht mehr gesehen hatte. Es explodierte am laufenden Band.
Ein Blick in die winzige Box verriet, daß es nur in seinem Mist stand, ohne ein Hälmchen Stroh und verschimmeltes Brot zu fressen bekam.
Leider war auch Esthel mal wieder ein Einzelpferd. Obwohl.... bei DER Haltung.... ;-)
Ich kümmerte mich eine Zeit lang um Esthel, pflegte und ritt sie. Sie war natürlich aufgrund der Herumsteherei ein ziemlich scharfes Gerät, was mich aber damals anscheinend nicht davon abhielt, trotzdem in der Gegend herum zu reiten. In dieser Zeit lernte ich auch das Gefühl kennen, wie es ist, wenn man im Jagdgalopp in eine Menschenmenge hereinrauscht und nicht mehr bremsen kann..... :-(
Ich war täglich bei Esthel, insgesamt aber nicht sehr lange, denn der alte Mann begann, gelegentlich beim Quatschen Themen anzuschneiden, über die ich nicht vor hatte, mit ihm zu reden. Ich versuchte also, den Kontakt zum Besitzer zu meiden und möglichst viel mit dem Pferd unterwegs zu sein.
Wenn Esthel nicht in diesem gruseligen Verschlag stand, hatte sie - wie seinerzeit Dolly - die Möglichkeit, auf einem dieser “Wiesenschläuche” gleich neben dem Bahndamm zu stehen. Ich brachte sie immer dort hin, wann es meine Zeit zuließ, damit sie viel draußen war. Der Zaun dort war - natürlich Stacheldraht - und dazu noch eine absolute Katastrophe. Man darf nicht drüber nachdenken. Ab und zu flickte ich ihn mit den wenigen Möglichkeiten, die ich hatte. Niemand malte sich aus, was passieren KÖNNTE.....
Nach kurzer Zeit ließ der Mann einen weiteren Jungen auf Esthel reiten, was mir natürlich gar nicht paßte, weil, es war ja MEIN Pony. Ich stellte den alten Mann zur Rede und er versprach mir hoch und heilig, er würde den Jungen nicht mehr reiten lassen. Keine Woche später erwischte ich wieder den Jungen mit Esthel. Mir reichte es dann, ich war stinkesauer und traurig und total enttäuscht.
Mir wurden zufällig zu diesem Zeitpunkt 2 andere Ponys (Fidibus und Tristan) zum Pflegen angeboten, die ich erst abgelehnt hatte, wegen Esthel. Aber nun wollte ich die Chance doch wahrnehmen und fuhr zu der Besitzerin. Ich saß kaum in der Küche und erzählte, da brach ich in Tränen aus, weil ich so enttäuscht von dem alten Mann war. *wiepeinlich* Egal, es ließ sich nicht verhindern. Keine 5 Minuten hatte ich meinen neuen Stallschlüssel in der Hand und ich holte meine Sachen bei Esthel ab.
Was aus Esthel wurde?
Natürlich hat nach meinem Weggang der Junge sie noch lange Zeit weiter geritten, bis er sich irgendwann ein eigenes Pony kaufte.
Letztendlich kam es aber, wie es kommen mußte.... Esthel konnte man 800 m lang von den Bahngleisen abkratzen... :-(((. (Sie war übrigens nicht das einzige Pferd, was dort in der Ecke auf den Schienen tödlich verunglückte.)
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